AbkĂŒrzung fĂŒr „sallallĂąhu alayhi wa sallam“ („Der Friede Allahs sei auf ihm“); Bei der Nennung des Namens des Gesandten Gottes Muhammad (saw) sprechen die Muslime diesen oder einen Ă€hnlichen Segenswunsch aus.
Im KRM haben sich im MĂ€rz 2007 die TĂŒrkisch-Islamische Union der Anstalt fĂŒr Religion (DITIB), der Islamrat fĂŒr die Bundesrepublik Deutschland (IRD), der Zentralrat der Muslime (ZMD) und der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) zu einer Dachorganisation zusammengeschlossen.
NÀhere Informationen hierzu finden Sie auf den InternetprÀsenzen der jeweiligen muslimischen Religionsgemeinschaften.
Sure Alak, [96:1-5]: „Lies! Im Namen deines Herrn, der erschuf; Erschuf den Menschen aus einem sich Anklammernden. Lies! Denn dein Herr ist gĂŒtig, der durch die (Schreib-) Feder gelehrt hat, den Menschen gelehrt hat, was er nicht wusste.“
Arabisch Dschibrül; der Engel der Offenbarung; einer der vier großen Engel im Islam.
AbkĂŒrzung fĂŒr „alayhis salĂąm“ („Der Friede Allahs sei auf ihm“); Bei der Nennung des Namens eines Propheten sprechen die Muslime diesen oder einen Ă€hnlichen Segenswunsch aus.
AbkĂŒrzung fĂŒr „radiyallĂąhu anh/anhñ“ („Gott sei ihm/ihr gnĂ€dig“); Bei der Nennung des Namens eines GefĂ€hrten Muhammads (saw) sprechen die Muslime diesen oder einen Ă€hnlichen Segenswunsch aus.
SSure RĂ»m, [30:30]: „So richte dein ganzes Wesen aufrichtig auf den wahren Glauben, gemĂ€ĂŸ der natĂŒrlichen Veranlagung, mit der Allah die Menschen erschaffen hat. Es gibt keine VerĂ€nderung in der Schöpfung Allahs. Dies ist die richtige Religion. Jedoch, die meisten Menschen wissen es nicht.“
Sure ZilzĂąl, [99:6-8]
Sure KiyĂąma, [75:36]
der Bericht; die Überlieferung; AussprĂŒche und Taten des Gesandten Gottes Muhammad (saw); Bezeichnung fĂŒr die Berichte, in denen die Sunna Muhammads (saw) ĂŒberliefert wurde
Überliefert in der Hadithsammlung von Muslim
Sure NisĂą, [4:36]
Sure IsrĂą, [17:23-24]
Überliefert in der Hadithsammlung von Muslim
At-TargĂźb wat-TarhĂźb, 4/116
Überliefert in der Hadithsammlung von Tirmizü
Überliefert in der Hadithsammlung von AbĂ» DĂąwĂ»d
Muhammad Yusuf Kandahlawi, „Hayñtus Sahñba“, Bd. III, S. 1068
Überliefert in der Hadithsammlung von Muslim
Sure Nahl, [16:90]
Sure Âli Imrñn, [3:104]
Sure InsĂąn, [76:7-9]
Sure NisĂą, [4:135]
Überliefert in der Hadithsammlung von Buchñrü

Veranstaltungen 2011
Moscheeliste - 2011

Tag der offenen Moschee 2011

Jedes Jahr findet die bundesweite Initiative "Tag der offenen Moschee" der Moscheegemeinden statt. An diesem Tag sind alle Bürgerinnen und Bürger dazu eingeladen, die Moscheen vor Ort zu besuchen, mit den muslimischen Nachbarn in Kontakt zu treten, ihre Fragen zum Islam zu stellen und den gemeinsamen Dialog zu gestalten.



Der Koordinationsrat der Muslime lädt herzlich ein, zu der zentralen Veranstaltung des Tages der offenen Moschee in der
Mevlana Moschee der türkisch islamischen Union DITIB
Bahnhofstr. 65, 51143 Köln - Porz
am 03.10.2011 um 15.30 Uhr

Ablauf:

  • Begrüßung durch die Gastgeber- Gemeinde
  • Grußwort des scheidenden KRM-Sprechers, Herr Aiman Mazyek
  • Grußwort Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates
  • Vorstellung des Plakats, der Broschüre und des Internetauftrittes, Ali Mete
  • Vortrag Prof. Dr. Ali Dere:„Der Prophet Muhammad - Prophet der Barmherzigkeit und des Friedens“
  • Sprecherwechsel und Grußwort des neuen Sprechers
  • Empfang, Gelegenheit für Interviews

  • Auf der Homepage www.tagderoffenenmoschee.de finden Sie weitere Informationen zum Motto des TOM, den Veranstaltungen, sowie eine
    Adressenliste der teilnehmenden Moscheen. Das Plakat und die dazugehörige Broschüre finden Sie ebenfalls auf der Homepage.
    Wir freuen uns über Ihr Interesse an der Aktion und stehen gerne für Fragen zur Verfügung.

Muhammad – Prophet der Barherzigkeit



Plakat                               BroschĂŒre
zum download klicken Sie auf die Bilder

Inhalt
I Einleitung
    1. Ziele des Tages der offenen Moschee
    2. Zum Motto des Tages der offenen Moschee 2011
II. Das Leben Muhammads (saw) III. Koran, Sunna und Hadith
    1. Koran und Sunna – Die Quellen des Islams
    2. Die Sunna im Alltag
IV. Die Sunna des Propheten im tÀglichen Leben
    1. Barmherzigkeit
    2. Absicht und Handlung
    3. Verantwortlichkeit
    4. Dschihad
    5. TakwĂą
    6. Umwelt
    7. Arbeit
    8. Familie
    9. Respekt vor dem Alter
    10. Krankenbesuche
X. Schluss

I. Einleitung

1. Ziele des Tages der offenen Moschee

Der Tag der offenen Moschee (TOM) wird von den islamischen Religionsgemeinschaften in Deutschland seit 1997 jedes Jahr bundesweit am 3. Oktober veranstaltet. An diesem Tag bieten mehr als tausend Moscheen FĂŒhrungen, VortrĂ€ge, Ausstellungen, Informationsmaterialien und Begegnungsmöglichkeiten an. Diese Angebote werden jedes Jahr von mehr als hunderttausend Besuchern verschiedenen Alters, NationalitĂ€t und Religion wahrgenommen. Seit 2007 wird der Tag der Offenen Moschee unter dem Schirm des Koordinationsrats der Muslime (KRM)1und mit je einem neuen Motto organisiert.2So lauteten die Mottos der vergangenen Jahre „Moscheen - BrĂŒcken fĂŒr eine gemeinsame Zukunft“ (2007), „Moscheen - Orte der Besinnung und des Feierns“ (2008), „Moscheen - Ein fester Teil der Gesellschaft. 60 Jahre Bundesrepublik und ihre
Muslime“ (2009) und „Der Koran - 1400 Jahre, aktuell und mitten im Leben“ (2010). Durch diese Themenschwerpunkte soll das Potenzial und das SelbstverstĂ€ndnis der Muslime in Deutschland hervorgehoben werden. Dem steigenden Interesse am Islam und den Muslimen, aber auch dem in vielen Bereichen der Gesellschaft vorhandene Misstrauen, begegnen die Muslime mit einer offenen Moscheegemeinde. Dabei werden den Besuchern vor allem Möglichkeit des persönlichen Kontakts zu Muslimen und ein Einblick in das Gemeindeleben gegeben.

 
Das allgemein verzerrte Bild des Islams kann man oftmals nur auf dieser persönlichen Ebene ein StĂŒck weit korrigieren. DemgemĂ€ĂŸ ist eines der wichtigsten Ziele des Tages der offenen Moschee die Vermittlung grundlegender Kenntnisse ĂŒber den Islam. Denn aufgrund der meist unzureichenden Informationen in den Medien und so mancher meist kulturell bedingter Vorurteile herrscht ein großer Informationsbedarf. Die authentische Wiedergabe der Religion kann Vertrauen zwischen den Menschen herstellen. Mehr als die theologisch fundierte Diskussion steht hierbei jedoch das gegenseitige Kennenlernen und eine daraus resultierende VerĂ€nderung der Wahrnehmung des Anderen im Vordergrund.


Ein weiteres Ziel des TOM ist es, den dauerhaften Dialog zwischen Menschen verschiedener Religion, Kultur und Herkunft aufrechtzuerhalten. Dieser beginnt mit der einfachen Begegnung und kann bis hin zu einem fruchtbaren praktischen Dialog im Leben fĂŒhren.

Eine weitere Perspektive fĂŒr den Tag der offenen Moschee ist die der Partizipation. Die Gemeindemitglieder bringen sich mit einer solchen Veranstaltung in die Gesellschaft ein und knĂŒpfen Kontakte zu Mitgliedern anderer gesellschaftlicher Gruppen. Dies stellt einen weiteren Beitrag zum gesamtgesellschaftlichen Zusammenleben dar, die zu Anerkennung fĂŒhrt. Viele Menschen in Deutschland (selbst manche Muslime) haben keine Vorstellungen von den unverzichtbaren BeitrĂ€gen einer Moscheegemeinde fĂŒr die Gesamtgesellschaft. Die AktivitĂ€ten der Gemeinde sind fĂŒr viele nicht auf Anhieb sichtbar. Je mehr sich die Gemeinden nach „Außen“ prĂ€sentieren, desto mehr wird die Gemeindearbeit erkannt, anerkannt und gewĂŒrdigt.


2. Zum Motto des Tages der offenen Moschee 2011

Mit dem Motto „Muhammad – Prophet der Barmherzigkeit“ soll beim diesjĂ€hrigen Tag der offenen Moschee der Prophet Muhammad (saw) als Vermittler der Botschaft Gottes und Vorbild fĂŒr die Menschen in den Blickpunkt gerĂŒckt werden. Im Ramadan, der auch in diesem Jahr vor dem Tag der offenen Moschee liegt, wurden dem Propheten Muhammad (saw)3 – und somit der gesamten Menschheit – die ersten Verse des Korans offenbart. In den darauffolgenden Jahrzehnten hat der Gesandte Allahs seinen GefĂ€hrten (Pl. AshĂąb) und allen anderen Menschen die Botschaft des Korans ĂŒbermittelt. Er hat es aber nicht dabei belassen, sondern die Botschaft, die er vermittelt hat, auch selbst gelebt. Der Koran beschreibt ihn als „ein gutes Vorbild“ (Sure AhzĂąb, [33:21]) und als „Barmherzigkeit fĂŒr alle Welt“ (Sure AnbiyĂą, [21:107]). FĂŒr Muslime verkörpert der Prophet Muhammad (saw) deshalb das beste Beispiel eines aufrichtigen, gerechten und barmherzigen Menschen.

In diesem Sinne soll das Leben des Gesandten Muhammad (saw) geschildert werden. Im Mittelpunkt steht dabei das Handeln des Propheten, welches von Barmherzigkeit und Gerechtigkeit (Adl) geleitet ist. Um dies zu verdeutlichen werden jeweils AussprĂŒche Muhammads (saw), sogenannte Hadithe, herangezogen und erlĂ€utert. Zuvor wird erklĂ€rt, was ein Hadith ist und weshalb die Sunna, die Praxis des Propheten, eine bedeutende Stellung im Islam und somit im alltĂ€glichen Leben der Muslime hat.

II. Das Leben Muhammads (saw)

Muhammad (saw) wurde um 570 n. Chr. in Mekka als jĂŒngstes Mitglied einer Großfamilie geboren. Seine Sippe, die Banu HĂąschim, gehörten zum Stamm der Quraisch. Dieser Stamm genoss Ruhm und Respekt und war ĂŒberregional bedeutsam, da er wichtige religiöse und gesellschaftliche Funktionen innehatte. Muhammads (saw) Vater AbdullĂąh war kurz vor dessen Geburt verstorben. Seine Mutter Âmina starb, als er sechs Jahre alt war, so dass er erst unter der Obhut seines Großvaters Abd al-Muttalib und nach dessen Tod bei seinem Onkel AbĂ» Talib aufwuchs.

Von seiner Kindheit ist nicht viel bekannt, weshalb anzunehmen ist, dass er eine einfache, dem Stammesleben entsprechende Kindheit erlebte. Eines geht aus den Quellen jedoch deutlich hervor. Es wird ĂŒberliefert, dass er trotz des blĂŒhenden Götzendienstes in seiner Heimatstadt Mekka, kein Götzenanbeter (Muschrik) war, sondern ein HanĂźf, ein Monotheist, der der Religion des Propheten Abraham (as)4 folgte. Ferner weiß man, dass er in der Obhut seines Onkels den Beruf des Kaufmanns erlernte. SpĂ€ter, mit ca. 25 Jahren, trug ihm die GeschĂ€ftsfrau ChadĂźdscha (ra)5 , fĂŒr die er Handel trieb, ihren Ehewunsch an. Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne und vier Töchter hervor.

Im Alter von ca. 40 Jahren wurden Muhammad (saw) die ersten Koranverse herabgesandt. In den Jahren vor der Herabsendung (Wahy) der ersten Koranverse hatte es sich Muhammad (saw) zur Gewohnheit gemacht, sich in die Einsamkeit zurĂŒckzuziehen. So konnte er ungestört seines Schöpfers gedenken.

Eines Nachts im Jahre 610 n. Chr. im Monat Ramadan, als er sich wieder einmal in der Höhle Hira bei Mekka befand, war es so weit. Dort erschien ihm der Engel Gabriel (as) (DschibrĂźl). Dieser wies Muhammad (saw) an zu lesen: „Ikra!“ (Lies!). Er entgegnete ihm aber: „Ich kann nicht lesen.“ Der Prophet erzĂ€hlt dieses Ereignis wie folgt: „Der Engel ergriff mich und drĂŒckte mich so fest, dass ich es nicht mehr ertragen konnte. Dann ließ er mich los und befahl mir, wieder zu lesen, und ich antwortete: ‚Ich kann nicht lesen.‘ Darauf ergriff er mich wieder und drĂŒckte mich ein zweites Mal, bis ich es nicht mehr ertragen konnte. Darauf ließ er mich los und befahl mir wieder zu lesen, aber ich antwortete wieder: ‚Ich kann nicht lesen‘ (oder: was soll ich lesen?). Darauf ergriff er mich zum dritten Mal und drĂŒckte mich und sagte: ‚Lies im Namen deines Herrn, der erschuf – Erschuf den Menschen aus einem sich Anklammernden. Lies! Denn dein Herr ist gĂŒtig, der durch die (Schreib-) Feder gelehrt hat – den Menschen gelehrt hat, was er nicht wusste.‘ (Sure Alak, [96:1-5])“ (BuchĂąrĂź)

Die 12 Jahre, die er nach dem Beginn seiner Prophetenschaft in Mekka verbrachte, sind geprĂ€gt von der Auseinandersetzung mit den Mekkanern. Das waren diejenigen, die von Ignoranz seiner Person und Boykott seiner Sippe, bis hin zu Mordversuchen, alles unternahmen, um ihn an der Verbreitung von Gottes Botschaft zu hindern. Schließlich kritisierte er den Polytheismus (Schirk), wandte sich gegen jede Art von Ungerechtigkeit (Zulm) und setzte sich fĂŒr die UnterdrĂŒckten (MazlĂ»m) der Gesellschaft ein. Somit stellte er sich gegen den verfĂ€lschten Glauben und das ungerechte Treiben der Mekkaner. Die mekkanische Zeit wird in drei Perioden eingeteilt:

Die anfangs verdeckte und vorsichtige VerkĂŒndigung der herabgesandten Verse im engsten Bekanntenkreis des Propheten. Danach die verbale VerkĂŒndigung an die gesamte mekkanische Öffentlichkeit. Die Reaktion darauf war eine mit der Zeit zunehmende, erst verbale, dann physische Gewalt der Mekkaner, die an den Göttern ihrer Vorfahren festhalten wollten. Aufgrund der zunehmenden UnterdrĂŒckung der ersten Muslime, wanderten die schwĂ€cheren unter ihnen nach Abessinien aus, wo sie vom christlichen Herrscher Schutz erhielten.

Als sein einflussreicher Onkel AbĂ» Talib starb und er somit den Schutz seiner Sippe verlor, luden ihn die StĂ€mme Chazradsch und Aws, welche zuvor den Islam angenommen hatten, nach Yathrib (Medina) ein. Dort sollte Muhammad (saw) als stammesfremde und unparteiische AutoritĂ€t die Konflikte zwischen den verfeindeten StĂ€mmen schlichten. Die mekkanischen Muslime entschlossen sich nach Jahren der UnterdrĂŒckung durch ihre polytheistische Umgebung, im Jahre 622 n. Chr. zur Auswanderung nach Medina. Dort wurden sie als MuhĂądschirĂ»n (Pl. Auswanderer) von den medinensischen AnsĂąr (Helfer) empfangen. Der Gesandte Allahs stiftete eine solch geschwisterliche Beziehung zwischen diesen beiden muslimischen Gruppen, wie sie kaum in der Geschichte gesehen wurde. Hier in Medina schloss der Prophet ebenso den „Gemeindevertrag von Medina“, wobei anfangs die Juden und Muslime eine „Umma“ (Gemeinschaft) bildeten – mit gleichen Rechten und mit gleichen Pflichten. Außerdem ist diese Zeit gekennzeichnet durch stĂ€ndige Verteidigungskriege gegen die Mekkaner und ihre VerbĂŒndeten. Die Zeit der Kriege endete mit der Kapitulation der
Mekkaner und der friedlichen Einnahme Mekkas durch die Muslime im Jahre 630 n. Chr. Zwei Jahre spÀter starb der Prophet in Medina, wo er in der Prophetenmoschee (Masdschid an-Nabawß) beigesetzt wurde.

III. Koran, Sunna und Hadith

1. Koran und Sunna – Die Quellen des Islams

Der Prophet gilt weder als „Mittler“ zwischen den Menschen und Gott noch als „Religionsstifter“. Als solcher gilt nur Gott allein. Muhammad (saw) ist aber der letzte „RasĂ»l“ (Gesandter) Gottes und das „Siegel der Propheten“ (Sure RĂ»m, [33:40]). Er hinterließ den Menschen keine materiellen GĂŒter, sondern den Koran und seine Sunna.

„Koran“ bedeutet „Lesung“ oder das „das Vorgetragene“. Er ist dem Propheten Muhammad (saw) in arabischer Sprache herabgesandt worden und gilt als „Wort Gottes“ (KalĂąmullĂąh). Er enthĂ€lt 114 Kapitel (Suren), ĂŒber 6200 Verse und ist dem Propheten ab 610 n. Chr., teils in Mekka (etwa 12,5 Jahre), teils in Medina (etwa 10,5 Jahre) herabgesandt worden. Die Herabsendung umfasst somit einen Zeitraum von 23 Jahren, wobei die Verse je nach Anlass nach und nach offenbart wurden.


Die Sunna des Propheten, die sich in der Gesamtheit der ĂŒberlieferten Hadithe widerspiegelt, ist die zweite Quelle des Islams, aus ihr schöpft er sein SelbstverstĂ€ndnis. Im Unterschied zum Koran, dessen AuthentizitĂ€t gesichert ist, fĂŒhrte die Frage der AuthentizitĂ€t der einzelnen Hadithe im Laufe der folgenden Jahrhunderte dazu, dass sich eine eigene Wissenschaft zu diesem Bereich herausbildete. Diese Wissenschaft hat sich zum Ziel erklĂ€rt, die einzelnen Hadithe nach ihrer VerlĂ€sslichkeit hin zu ĂŒberprĂŒfen und sie dementsprechend zu klassifizieren. So entstanden umfassende Hadithwerke, wie die „Kutub as-Sitta“ („Sechs BĂŒcher“), ein Kompendium der sechs bekanntesten
Hadithsammlungen.

Koran und Sunna des Propheten sind die zwei wichtigsten Hauptquellen des Islams. An ihnen orientieren sich die Muslime in ihrem Denken und Handeln. Der Koran und die Sunna bilden die Grundlage zahlreicher Wissensbereiche wie der islamischen Theologie (KalĂąm), der Ethik (AchlĂąk), der Gottesdienste (Pl. IbĂądĂąt) usw. Die zweite Quelle, die Sunna, unterstreicht dabei entweder einen bestimmten Vers im Koran oder beschreibt und erklĂ€rt Aussagen, die im Koran ohne nĂ€here Beschreibung gemacht werden bzw. spezifiziert eine koranische allgemeine Stelle. Es sind z. B. viele „Details“ der Gottesdienste nur in der Sunna wiederzufinden. So ist etwa der genaue Ablauf des Gebets (SalĂąh) oder die dafĂŒr notwendige Waschung (WudĂ») erst mit dem Beispiel des Propheten umfassend ĂŒberliefert worden.

2. Die Sunna im Alltag

Die Lebensweise des Propheten kann insofern als die praktische Form der koranischen Lehre betrachtet werden. Gott verweist im Koran selbst auf die Vorbildhaftigkeit des Propheten und ruft mehrmals dazu auf, dem Propheten Folge zu leisten. In einem Vers heißt es: „Was nun der Gesandte euch gibt, das nehmt; und was er euch untersagt, dessen enthaltet euch.“ (Sure Haschr, [59:7]) Ein anderer Vers lautet wie folgt: „Wenn ihr miteinander ĂŒber etwas streitet, dann bringt es vor Allah und den Gesandten, wenn ihr wirklich an Allah und den JĂŒngsten Tag glaubt. Das ist am besten und am ehesten ein guter Ausgang.“ (Sure NisĂą, [4:59])

Wie aus diesen Versen hervorgeht, wird die Handlungsweise des Propheten in allen Situationen als ein Maßstab betrachtet. Daraus folgt: Wer dem Propheten folgt, der folgt auch Allah. Dies zeigt sich unter anderem in folgendem Vers: „Sag: Gehorcht Allah und gehorcht dem Gesandten. Doch wenn ihr euch abkehrt, dann obliegt ihm nur das, was ihm auferlegt ist, und euch obliegt, was euch auferlegt ist. Wenn ihr ihm (aber) gehorcht, seid ihr rechtgeleitet. Und dem Gesandten obliegt nur die deutliche Übermittlung (der Botschaft).“ (Sure NĂ»r, [24:54])

Diese Verse des Korans sind nur einige Beispiele fĂŒr die Stellung des Propheten und seiner Sunna. Aufgrund des Vorbildcharakters des Propheten hat seine Sunna eine große Bedeutung fĂŒr das alltĂ€gliche Leben der Muslime. Ihm zu folgen bedeutet, dem Koran zu folgen.

Durch diese herausragende Stellung des Gesandten Allahs war seine Persönlichkeit jeher Gegenstand von Nachahmung und diente als Maßstab fĂŒr das eigene Leben. Es ist nur natĂŒrlich, wenn die Muslime darauf bedacht sind, soviel wie nur möglich ĂŒber das Leben ihres Propheten zu erfahren, dies umzusetzen und das Wissen schließlich an andere weiterzugeben.

IV. Die Sunna des Propheten im tÀglichen Leben

Die Bedeutung des Propheten als Vermittler des Korans und als Vorbild ermöglichen es, sich ihn in jedem Bereich des Lebens zum Beispiel zu nehmen. Die enormen BemĂŒhungen vieler Gelehrter, die Sunna des Propheten bis ins Detail festzuhalten und zu ĂŒberliefern, ist eine Folge davon.

So ist der Gesandte Allahs auch fĂŒr heutige Muslime ĂŒberall auf der Welt ein Vorbild, dem es zu folgen gilt. Um dies zu verdeutlichen, sollen im Folgenden lediglich einige wenige Hadithe zitiert und kurz kommentiert werden. Ziel ist es aufzuzeigen, wie Muslime den Propheten verstehen und folglich als Referenz fĂŒr ihr eigenes Handeln und Denken wahrnehmen.

1. Barmherzigkeit

„Allah wird sich desjenigen nicht erbarmen, bei dem die Menschen kein Erbarmen finden.” (Buchñrü)

Das arabische Wort „Rahma”, welches ĂŒblicherweise mit „Barmherzigkeit“ ĂŒbersetzt wird, kann auch „Zuneigung”, „Wohlwollen”, „Sanftmut” und „Aufmerksamkeit” bedeuten. „Rahma” erscheint im Koran sehr oft. Dies verdeutlicht die Wichtigkeit des Begriffs. Auch Überlieferungen, wie der oben genannte Hadith, zeigen die Bedeutung von „Barmherzigkeit” und „FĂŒrsorge” im Islam.

So wie jede Sure des Korans mit der Basmala („Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen“) beginnt, so sollte auch jede Handlung des Muslims mit dieser Formel beginnen. Dies ist ein Zeichen fĂŒr die allumfassende Barmherzigkeit Gottes. Man bedenke: Unter den 99 schönen Namen (AsmĂąul Husna) Gottes sollen gerade diese Namen und Attribute Gottes im Alltag verwendet werden.

 
Barmherzigkeit ist mehr als Liebe, denn Liebe steht oft mit EmotionalitĂ€t in Verbindung. Barmherzigkeit allerdings verbindet EmotionalitĂ€t mit dem Verstand. Barmherzigkeit ist kein vergĂ€ngliches GefĂŒhl. Vielmehr muss sie als die Gesamtheit der oben genannten Eigenschaften, also Wohlwollen, Sanftmut, Zuneigung und Aufmerksamkeit, betrachtet werden. Dies macht Barmherzigkeit aus.
Das Empfinden von FĂŒrsorge und Barmherzigkeit liegt in der Natur (Fitra) des Menschen. Mit diesem GefĂŒhl versorgt die Mutter ihr Kind. Fremde Menschen helfen sich gegenseitig, aus Barmherzigkeit, ohne daraus einen Nutzen zu ziehen. Auch in die Ehe setzt Gott Liebe und Barmherzigkeit. Und fĂŒr dieses natĂŒrliche Empfinden wird der Mensch sogar von ihm belohnt.


Anders verhĂ€lt es sich mit Menschen, die ihrer Natur zuwider handeln und anderen Menschen gegenĂŒber keine Barmherzigkeit empfinden. Das bedeutet, dass Menschen, bei denen man kein Erbarmen findet, selbst auch nicht die Barmherzigkeit Gottes erwarten dĂŒrfen.

2. Absicht und Handlung

„Allah achtet nicht auf euer Äußeres noch auf euren Reichtum, sondern auf eure Herzen und eure Taten.“ (Muslim)

Es gibt viele GrĂŒnde, weshalb Menschen in einer Gesellschaft respektiert werden, Ansehen genießen und viele Dinge, die sie zu Stolz verleiten. Manche Menschen sind von besonderer Ă€ußerer Schönheit, haben etwa eine besondere Statur oder Ausstrahlung. Andere erlangen ihr Ansehen aufgrund ihres Reichtums, prachtvoller HĂ€user, Autos und teurer Kleidung.

Doch obwohl all diese Dinge ausnahmslos vergÀnglich sind, legen die Menschen sehr viel Wert auf diese OberflÀchlichkeiten.

Oft be- und verurteilen Menschen sich nach diesen MaßstĂ€ben gegenseitig. Bei Gott hingegen, dem wir all diese uns anvertrauten GĂŒter verdanken, haben sie keinen Wert. Er schaut viel mehr darauf, ob seine Geschöpfe mit seinen Gaben verantwortungsbewusst umgehen.

Allah beurteilt die Menschen gemĂ€ĂŸ ihrem Glauben, Charakter, Gedanken – kurz: ihrem Herzen – und ihren Taten. Ist der Mensch wohlwollend, Frieden stiftend und bescheiden? Strebt er nach Tugenden oder eher nach Lastern? Und handelt er dementsprechend? Das heißt, ausnahmslos jeder Mensch – gleichgĂŒltig, wie er aussieht und welchem sozialen Milieu er angehört – bekommt die Möglichkeit, in das Paradies einzutreten, solange er sein Leben seinem Schöpfer widmet.

Vor Gott sind alle Menschen gleich und jeder kann gleichermaßen – unabhĂ€ngig von Äußerlichkeiten – Gottes Wohlwollen erlangen. Der Reiche und Angesehene hat keinen Vorteil gegenĂŒber dem Armen. Ist es nicht erleichternd zu wissen, dass Gott, der Gerechte, alle Menschen gleich behandelt?

3. Verantwortlichkeit

„Der Beste unter den Menschen ist derjenige, der seinen Mitmenschen am nĂŒtzlichsten ist.“ (DschĂąmius SaĂźr)

Doch wie ist man seinen Mitmenschen am nĂŒtzlichsten? Was macht NĂŒtzlichkeit aus? NĂŒtzlichkeit beginnt zunĂ€chst mit den Dingen im Leben, fĂŒr die man Verantwortung trĂ€gt. Jeder Mensch hat mehrere Aufgabenbereiche im Leben. Man ist ein Familienmitglied, Sohn oder Tochter, ein Elternteil, hat mehrere Rollen in der Verwandtschaftsbande, ist Nachbar, Freund oder Freundin. Zudem bekleidet man auch öffentliche Rollen in der Schule, an der UniversitĂ€t oder am Arbeitsplatz, in Vereinen usw.
Der Prophet beschreibt den Menschen, der seinen Aufgaben gerecht wird, wie folgt: „Allah liebt es, wenn sein Diener, dass was er tut gewissenvoll und richtig erledigt.“ (Bayhñkü)

Dabei sind alle Arbeiten gemeint, die im Rahmen des Erlaubten stehen. So kann auch jeder nach seinen eigenen Möglichkeiten nĂŒtzlich sein, seine Verantwortung gegenĂŒber seinen Mitmenschen, der Gesellschaft wahrnehmen. So z.B. die Eltern den Kindern gegenĂŒber, wenn sie ihnen eine gute Erziehung geben, der Lehrer, wenn er seine SchĂŒler zu Wissen und Bildung anleitet, ein Mensch, der seinen Aufgaben in der Gesellschaft nach KrĂ€ften nachzukommen versucht. Das kann ein Mensch sein, der sich ehrenamtlich in einer Gemeinschaft engagiert oder auch nur die EinkĂ€ufe eines pflegebedĂŒrftigen Menschen erledigt, bis hin zu hohen gesellschaftlichen VerantwortungstrĂ€gern.

Außerdem beschreiben diese Worte Muhammads (saw) nicht nur den besten Menschen, sondern können als Aufforderung verstanden werden. Der Muslim soll seine bestehenden Aufgaben nicht nur gewissensvoll erledigen, er soll auch nach Wegen suchen, noch mehr NĂŒtzliches zu tun. Je mehr Menschen diesem Anspruch gerecht werden, desto grĂ¶ĂŸer wird der positive Beitrag zur Gesellschaft sein.

4. Dschihad

„Der wahre Mudschahid ist derjenige, der gegen seine Triebe kĂ€mpft.“ (TirmizĂź)

Der arabische Begriff „Dschihad“ wird von der Wurzel „dschahada“ hergeleitet. Es bedeutet „sich bemĂŒhen“, „anstrengen“ bis hin zu â€žĂŒberanstrengen“. In manchen ZusammenhĂ€ngen bedeutet es auch „SelbstĂŒberwindung“, „MĂŒhsal“ und „Kampf“. Derjenige, der sich in einer Sache besonders bemĂŒht, ist ein Mudschahid.

Das Gebieten des Guten und Verbieten des Schlechten ist einer der GrundsĂ€tze, an die der Prophet Muhammad (saw) seine GefĂ€hrten immer wieder erinnerte. In erster Linie gilt dies fĂŒr das Individuum selbst. Charakterreinigung und Selbstkontrolle sind zwei wichtige FĂ€higkeiten, die der Muslim sich aneignen und bis zu seinem Lebensende ausĂŒben sollte. Denn nicht selten erliegt der Mensch seinen GefĂŒhlen und Begierden, was er nach deren Befriedigung meistens bereut. Sei es etwa zu viel Schlaf und Essen, denen oft Unbehagen in Form von Zeitverlust, Schlappheit, VöllegefĂŒhl und ein schlechtes Gewissen in Gedanken an Armut leidende Menschen folgt. Genauso bereut man einen Wutausbruch und damit verbundene verletzende Worte oder die Ungeduld in Situationen, in denen Ruhe erforderlich wĂ€re. Die Gesellschaft quĂ€len viele MissstĂ€nde, wie KriminalitĂ€t, Armut, zerrĂŒttete Ehen u.a. durch Ehebruch. All diese MissstĂ€nde hĂ€ngen mit fehlender Selbstbeherrschung zusammen.

Solchen und Ă€hnlichen SchwĂ€chen, die sowohl dem Individuum selbst als auch der Gesellschaft schaden, soll mit dem der Bezeichnung des Propheten zufolge „Großen Dschihad“ vorgebeugt werden. Er bezeichnet die BemĂŒhung kein Sklave seiner Begierden zu werden, denn wer sich ihnen hingibt, ist nicht frei. Je grĂ¶ĂŸer die Anstrengung ist, sich selbst und seine Triebseele zu erziehen, desto grĂ¶ĂŸer ist auch der Erfolg und ebenso die Belohnung bei Allah.

5. TakwĂą
„FĂŒrchte Gott, wo immer du bist, und lasse der schlechten Tat die gute Tat folgen, um sie auszulöschen, und behandle die Menschen mit gutem Charakter.” (TirmizĂź)


Ein Mensch, der Ehrfurcht vor Gott empfindet, wo immer er ist und was immer er tut, wird Schlechtes auch nicht im Geheimen tun. Er wird nicht darauf vertrauen, dass gerade niemand da ist, der ihn sehen oder hören könnte. Denn er wird sich darĂŒber im Klaren sein, dass Gott ĂŒber jede seiner Handlungen und Wendungen seines Herzens
kundig ist.

Wichtig ist bei dem Begriff „Takwñ”, dass es sich nicht nur auf die Ehrfurcht vor Gott bezieht. Es geht nicht darum, ihn zu fĂŒrchten und deshalb ein gutes Benehmen an den Tag zu legen. TakwĂą beinhaltet in seiner tieferen Wortbedeutung die Angst, die Liebe Gottes zu verlieren. Es liegt auf der Hand, dass Menschen, die einander zugeneigt sind, sich MĂŒhe geben, sich respektvoll gegenĂŒberzutreten und alles versuchen ihre Beziehung zueinander zu pflegen.

Ähnlich verhĂ€lt es sich mit der Liebe zu Gott, jedoch in einem viel höheren Maßstab. Der Muslim bemĂŒht sich von schlechtem Verhalten fernzuhalten, um seine TakwĂą zu stĂ€rken und somit Gott nĂ€her zu sein. Dies wird auch dadurch gewĂ€hrleistet, indem man sich bemĂŒht, auf jede schlechte Tat eine gute Tat folgen zu lassen. Denn: Jeder Mensch begeht von Zeit zu Zeit Fehler. Dies liegt in seiner Natur. Die schönste Art der Entschuldigung und zugleich ein Zeichen der Einsicht ist eine tugendhafte Handlung, die mit der Hoffnung auf Erbarmen unternommen wird.

6. Umwelt
„Ein Muslim, der einen Samen sĂ€t und von dessen FrĂŒchten jemand isst oder ohne Erlaubnis nimmt oder auf irgendeine Weise Nutzen zieht, wird bis zum Tag der Auferstehung davon profitieren.“ (TirmizĂź)


Der Gesandte Gottes hat erklĂ€rt und vorgelebt, wie mit der Natur umzugehen ist. In einem Hadith sagte er, dass einem Mann seine SĂŒnden vergeben wurden, weil er einem Hund Wasser aus einem Brunnen gegeben hat. Eine Frau hingegen, die eine Katze nicht fĂŒtterte, so dass sie starb, kam in die Hölle (Dschahannam). Er verbot auch, Tiere zu töten, wenn sie nicht verzehrt werden oder keine Gefahr darstellen.

Dahinter steckt der Gedanke, dass ein unnötiger Eingriff des Menschen das Gott gegebene Gleichgewicht stören wĂŒrde. In diesem Bewusstsein sah es Muhammad (saw) auch nicht gerne, wenn Pflanzen zerstört wurden. Er sagte: „FĂŒgt keiner lebenden Pflanze Schaden zu, denn ihr seid Gottes Sachwalter.“ (MischkĂątul MasĂąbih, II, 387)

 
Der Prophet war es auch, der nach der Auswanderung von Mekka nach Medina den natĂŒrlichen Reichtum der Region erkannte und beschloss, dass Teile davon bewahrt werden sollten. Daraufhin bestimmte er – in Anlehnung an eine arabische Tradition – sie als „Himñ“, also als eine Art Naturschutzzone zu erhalten. Innerhalb eines bestimmten Gebiets war es somit verboten, Pflanzen zu zerstören oder Tiere zu jagen.


Aus der Sunna des Propheten folgt somit, dass die Natur ein Zeichen und eine Gabe Gottes ist, dessen bestehendes Gleichgewicht es zu wahren gilt. Menschen, Tiere und Pflanzen sind als Geschöpfe Teil dieser Schöpfung und haben ihren jeweiligen Platz. Nun gilt es, die Ethik des Korans zu verinnerlichen und sich am Vorbild des Propheten orientierend der Aufgabe zu stellen.

7. Arbeit – Auf dem Weg zu Gott

„Jeder einzelne Schritt desjenigen, der zur Arbeit geht, um sich und seine Angehörigen von niemandem abhĂ€ngig zu machen, wird als Gottesdienst gezĂ€hlt.“ (TabarĂąnĂź)


„Amal“ bedeutet BeschĂ€ftigung, AktivitĂ€t und TĂ€tigkeit. Das praktische Tun des Menschen als Mittel zur Absicherung seines Lebensunterhaltes, ist gottgewollt. Denn Lohn will erarbeitet sein, sowohl im Diesseits als auch fĂŒr das Jenseits.
Der Islam verlangt von dem Menschen, dass er sich sowohl fĂŒr das Jenseits als auch fĂŒr das Diesseits einsetzt. Die Kunst liegt darin, das Gleichgewicht dieser beiden SphĂ€ren herzustellen und beizubehalten. Das Diesseits ist vergĂ€nglich und gilt als Vorbereitung fĂŒr das Jenseits. Dennoch hat Gott den Menschen nicht dazu aufgefordert, sich des Diesseits ganz zu entledigen und sich allein dem Jenseits zu widmen. Das wĂ€re ganz und gar nicht im Sinne dieser prophetischen Worte. Der Mensch wird allerdings angehalten, sich nicht ĂŒbermĂ€ĂŸig diesem vergĂ€nglichen Leben hinzugeben, sich stattdessen ĂŒber das eigentliche Ziel und den Zweck des Lebens bewusst zu werden und somit das ewige Leben im Jenseits immer im Auge zu behalten. Das jemand freiwillig untĂ€tig bleibt, egal ob fĂŒr das Dies- oder Jenseits, ist mit dem Islam nicht in Einklang zu bringen. So ist jeder, der in der Lage ist, dazu verpflichtet, sich seinen eigenen Lebensunterhalt und auch den seiner Familie zu sichern.

Das Vermögen zu arbeiten und sich fĂŒr eine Sache einzusetzen, ist dem Menschen eine von Gott anvertraute Gabe, mit dem der Mensch verantwortungsvoll umzugehen hat. Dies ist auch die Aussage in folgender Überlieferung: „Eines Tages traf der Prophet SĂąd bin Muaz (ra) und sie schĂŒttelten sich die HĂ€nde. Da sah der Prophet, dass SĂąds HĂ€nde voller Wölbungen waren und fragte ihn nach dem Grund dafĂŒr. SĂąd antwortete ihm: ‚Sie sehen so aus, weil ich fĂŒr meine Familie arbeite.‘ Daraufhin erklĂ€rte der Prophet: „Hier sind die HĂ€nde, die Gott gefallen.“ (SarahsĂź)

8. Familie

„Der Beste unter euch ist derjenige, der seine Frau am besten behandelt, und ich bin ein Vorbild in der Behandlung meiner Familie.“ (Tirmizü)

Wie in allen Bereichen des Lebens hat der Prophet des Islams auch im Bereich des Familienlebens eine Vorbildfunktion fĂŒr alle Muslime. Der respektvolle, wertschĂ€tzende und empathische Umgang zwischen Ehepartnern ist unerlĂ€sslich fĂŒr eine gesunde Beziehung. Nicht nur, dass das Ehepaar innerhalb einer Familie von den negativen Auswirkungen betroffen sein wird, auch die Kinder, die tagtĂ€glich den Umgang miteinander miterleben, werden fĂŒr ihr Leben geprĂ€gt.

Der Prophet Muhammad (saw) beschreibt den „besten“ Menschen als denjenigen, der seine Frau bzw. diejenige, die ihren Mann oder aber auch die ganze Familie am „besten“ behandelt. Die Stellung der Frau wird mit diesem und vielen anderen Hadithen besonders hervorgehoben und gewissermaßen unter den „Schutz“ des Gesandten Gottes gestellt.

Der Hadith ermahnt zum Guten. Implizit warnt er aber vor allen Dingen den Lebensbegleiter, den Vater bzw. die Mutter der Kinder nicht schlecht und unangemessen zu behandeln. Denn genauso wie vor 1400 Jahren, als die Offenbarung des Korans begann, gibt es auch heute Menschen, die anscheinend ohne einen Funken Gottesfurcht ihren Ehepartner schlecht behandeln.

9. Respekt vor dem Alter

„Wenn ein junger Mensch einem alten Menschen aufgrund seines Alters Respekt erweist, schickt ihm Allah Menschen, die ihm im Alter Respekt erweisen.“ (Tirmizü)

Von Jahr zu Jahr werden immer mehr alte Menschen in Altenheimen untergebracht. Leider fĂŒhlen sich immer weniger Familien verantwortlich fĂŒr die Alten unter ihnen oder können sich aus unterschiedlichen GrĂŒnden nicht um sie kĂŒmmern. So werden alte Menschen oft als Belastung angesehen. Dabei sind gerade diese Menschen diejenigen, die das Hier und Jetzt fĂŒr uns geformt und die kommende Generation miterzogen haben. Sie versorgten uns als wir klein und schwach waren. Ihr Wirken ist es wert, im Alter respektiert und versorgt zu werden.

Im Koran heißt es bezĂŒglich der Behandlung der altgewordenen Eltern: „Dein Herr hat bestimmt, dass ihr ihn alleine anbeten sollt und das ihr gegen eure Eltern gĂŒtig seid, auch wenn der eine von ihnen oder beide bei dir ins hohe Alter kommen. Sag daher nicht „Pfui!“ zu ihnen und schelte sie nicht, sondern rede mit ihnen auf ehrerbietige Weise.“ (Sure IsrĂą, [17:23]) Der Respekt gegenĂŒber Älteren gilt jedoch nicht nur den eigenen Eltern, sondern auch allen anderen Menschen, die fortgeschrittenen Alters sind.

Jeder Mensch unterliegt einer körperlichen und psychischen Entwicklung. Der Mensch durchlebt Kindheit, Jugend, Reife und Alter– sofern ihn nicht der Tod einholt. Daher sollte jedes Individuum sich Gedanken darĂŒber machen, wie er in diesen Phasen seines Lebens gern behandelt werden wĂŒrde und sich dementsprechend um die Älteren in seiner Familie und in der Gesellschaft kĂŒmmern.

10. Krankenbesuche

„Besucht die Kranken.“ (Buchñrü)

Krankheiten gehören zum Leben dazu. FrĂŒher oder spĂ€ter wird jeder einmal krank. Und spĂ€testens dann wenn wir selbst erkranken, werden wir es sehr zu schĂ€tzen wissen, wenn wir von unseren Freunden und Bekannten besucht werden. Gerade in solchen Situationen, in denen wir uns oft allein und verzweifelt fĂŒhlen, ist die UnterstĂŒtzung von unseren Freunden oftmals eine große StĂŒtze. Einfach nur anwesend zu sein, Mut und Geduld zuzusprechen und auf bessere Zeiten hinzuweisen, stĂ€rkt oft schon die Betroffenen und gibt ihnen das GefĂŒhl der Gemeinschaft und Geborgenheit.

 
FĂŒr Muslime ist der Krankenbesuch ein moralisches Prinzip. Deswegen trifft man bei muslimischen Patienten oftmals auf wesentlich mehr Besucher. Hört man, dass jemand aus der Gemeinschaft er krankt ist, tut man sich oft zusammen, um die Person und ihre Familie zu besuchen, selbst wenn man sie nicht gut kennt. Inzwischen werden auch Krankenbesuchsdienste organisiert. Hier spielen die Moscheen und insbesondere die Imame eine fĂŒhrende Rolle. Muslime sollten bei ihren Besuchen darauf achten, nicht mit zu vielen Personen den Erkrankten zu besuchen, um nicht den Erkrankten und auch andere Patienten zu sehr zu belasten.


Der Islam fördert und fordert die SolidaritÀt innerhalb der Gesellschaft. Daher weist auch der Prophet, Muhammad (saw) in zahlreichen Hadithen auf die Wichtigkeit des Krankenbesuchs hin.

Schluss
Mehr als eine Milliarde Menschen ĂŒberall auf der Welt nehmen sich den Propheten Muhammad (saw) zum Vorbild. Seine Sunna ist nach dem Koran die wichtigste Quelle des Islams. So ist sie auch fĂŒr das alltĂ€gliche Leben des Muslims von herausragender Bedeutung.

Aufgrund der bedeutenden Rolle des Gesandten Allahs im Leben der Muslime wurde in dieser BroschĂŒre der Versuch unternommen, darzulegen, wie Muslime den Propheten Muhammad (saw) sehen und in welcher Weise sie die Sunna des Gesandten Allahs in ihrem Leben umsetzen.

In diesem Sinne sollte der Tag der offenen Moschee als Gelegenheit wahrgenommen werden, sich ein Bild von Muhammad (saw) zu machen und zugleich die Muslime besser kennenzulernen, welche sich ebendiesen Propheten zum Vorbild nehmen.


1 = Im KRM haben sich im MĂ€rz 2007 die islamischen Religionsgemeinschaften TĂŒrkisch-Islamische Union der Anstalt fĂŒr Religion (DITIB), Islamrat fĂŒr die Bundesrepublik Deutschland (IRD), Zentralrat der Muslime (ZMD) und       Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) zu einer Dachorganisation zusammengeschlossen. Mehr Informationen finden Sie unter www.koordinationsrat.de.
2 = NÀhere Informationen hierzu finden Sie unter www.tagderoffenenmoschee.de und auf den InternetprÀsenzen der jeweiligen islamischen Religionsgemeinschaften.
3 = AbkĂŒrzung fĂŒr „sallallĂąhu alayhi wa sallam“ („Der Friede Allahs sei auf ihm“); Bei der Nennung des Gesandten Gottes Muhammad (saw) sprechen die Muslime diesen oder einen Ă€hnlichen Segenswusch aus.

4 = AbkĂŒrzung fĂŒr „alayhis salĂąm“ („Der Friede Allahs sei auf ihm“); Bei der Nennung des Namens eines Propheten sprechen die Muslime diesen oder einen Ă€hnlichen Segenswunsch aus.
5 = AbkĂŒrzung fĂŒr „radiyallĂąhu anh/anhñ“ („Gott sei ihm/ihr gnĂ€dig“); Bei der Nennung des Namens eines GefĂ€hrten Muhammads (saw) sprechen die Muslime diesen oder einen Ă€hnlichen Segenswunsch aus.